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Verónica Razo in Mexiko:
Sieben Jahre in Haft ohne Anklage

Seit Sommer 2017 setzen wir uns für Verónica Razo ein, eine 39-jährige Mutter von zwei Kindern, die in Mexiko seit 2011 ohne Urteil inhaftiert ist. Sie wurde von der Bundespolizei in Mexiko-Stadt willkürlich festgenommen und gefoltert. Offenbar wollten die Polizisten erreichen, dass sie „gesteht“, zu einem Ring von Entführern zu gehören. Die Folter ist inzwischen dokumentiert; Verónica Razo wurde deswegen im Krankenhaus behandelt. Keiner ihrer Peiniger wurde bisher zur Rechenschaft gezogen.

Verónica Razo wurde 2012 vor Gericht gestellt. Als Beweise wurden ihr „Geständnis“ unter Folter angeführt sowie zwei Zeugen, die vor Gericht angaben, ebenfalls gefoltert worden zu sein. Verónica wurde daraufhin zwar nicht verurteilt, aber auch nicht freigelassen. Ein zweiter Prozess ist bisher wegen formaler Fehler verschiedener Instanzen nicht zustande gekommen. Es ist ein Skandal, dass Verónica seit 2011 ohne Urteil in Haft sitzt.

Verónicas Schicksal steht für eines von sehr vielen Beispielen von Polizeiwillkür in Mexiko. Wenn wir ihr Schicksal bekannt machen, Informationsstände organisieren und Unterschriften für sie sammeln, geht es uns immer auch um das Schicksal vieler anderer Opfer des korrupten politischen und justiziellen Systems in Mexiko.

Wenn Sie mehr über die Menschenrechtslage in Mexiko erfahren möchten:

Jahresbericht 2018 von amnesty international über Mexiko

https://www.amnesty.de/informieren/laender/mexiko

Unser Einsatz für Teodora in El Salvador

Bis vor kurzem kümmerten wir uns intensiv um Teodora del Carmen Vásquez, eine 31-jährige Frau aus El Salvador. Sie war 2008 wegen einer Fehlgeburt, die als Abtreibung angesehen wurde, zu einer 30-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach einer Strafminderung wurde Teodora im Februar 2018 freigelassen. Jetzt geht es darum, einen Freispruch und eine Wiedergutmachung zu erreichen, denn Teodora hat kein Verbrechen begangen.

In El Salvador sind – wie auch in der Dominikanischen Republik und in Chile – Schwangerschaftsabbrüche absolut verboten. Dies führt dazu, dass Frauen trotz schwerer oder gar lebensbedrohlicher gesundheitlicher Probleme die Schwangerschaft nicht beenden können. Auch für das medizinische Personal gilt das absolute Verbot von Abbrüchen. Schwangere erhalten daher keine angemessene medizinische Beratung und Betreuung. So müssen sie entweder mit den Risiken der Schwangerschaft leben oder aber sie lassen illegal abtreiben, riskieren dabei ihr Leben und werden womöglich angeklagt und verurteilt. Selbst nach einer Vergewaltigung gilt das absolute Abtreibungsverbot. Mädchen und Frauen aus ärmeren Familien sind von dieser Gesetzgebung besonders hart betroffen. Einen Rechtsanwalt zu ihrer Verteidigung können sie sich meist nicht leisten.

Teodora steht mit ihrem Schicksal nicht allein. Sowohl in El Salvador als auch in anderen lateinamerikanischen Ländern wurden und werden Frauen wegen des Vorwurfs, die Schwangerschaft abgebrochen zu haben, angeklagt und verurteilt. In diesen Ländern stehen Frauen, die Fehlgeburten erlitten, automatisch unter Verdacht. Es geht aber nicht nur um solche Fälle. Es geht auch um die Kriminalisierung von Frauen, die gezwungenermaßen illegal abtreiben, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Oft bezahlen sie dies mit ihrem Leben. Laut WHO sterben bei illegalen Schwangerschaftsabbrüchen etwa 11 % der Frauen und Mädchen. Dies ist auch eine Tragödie für ihre Familien.

In unserer Arbeit für amnesty international setzen uns daher sowohl für die mindestens 27 Frauen in El Salvador ein, die aus ähnlichen Gründen inhaftiert sind, wie es Teodora war. Zugleich fordern wir die Aufhebung von Gesetzen, mit denen Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe gestellt werden.

Wenn Sie mehr über El Salvador und die Lage der Frauen erfahren möchten:

Jahresbericht amnesty international 2018 zu El Salvador

Informationen der ai-Koordinationsgruppe El Salvador

Bericht über die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in El Salvador